Outsourcing in Kredit- und Finanzdienstleistungsinstituten
Die Spezialisierung nimmt in immer mehr Branchen zu. Das Outsourcing macht auch vor Unternehmen der Kredit- und Finanzdienstleistung keinen Halt. Die gesamte Wirtschaft ist von dem Phänomen der Auslagerung von Produktions- und Dienstleistungsschritten betroffen. Dies kann wirtschaftlich sowohl Vor- als auch Nachteile haben. Als Vorteil ist ganz klar zu sehen, dass sich das Unternehmen auf seine eigenen Kernkompetenzen konzentrieren kann und damit mögliche Investitionen bzw. Mitarbeiter-Schulungskosten reduzieren können. Dadurch ist das Unternehmen auch international gesehen deutlich wettbewerbsfähiger, kann mit anderen Preisen kalkulieren und so seine Marktposition halten oder sogar verbessern. Problematisch ist, also eher als Nachteil zu sehen, dass sich die Unternehmen so sehr stark spezialisieren. U.U. kann dies zur Folge haben, dass man bei einem plötzlich einbrechenden Markt schneller auf der Verliererseite steht, als vergleichbare Unternehmen.
Speziell im Bereich von Kredit- und Finanzdienstleistungsinstituten kommt hier noch ein weiterer Aspekt hinzu. Gerade Daten, die die Finanzen von Personen oder Firmen betreffen, sind sehr vertraulich. D. h. gelten als äußerst sensible Daten, die möglichst an wenige Unternehmen weiter gegeben werden sollten, da es trotz Vertraulichkeits- oder Verschwiegenheitserklärungen schwierig wird, sicher zu stellen, dass dies tatsächlich auch erfolgt. Bürger werden speziell in diesem Bereich sehr schnell misstrauisch.
Beobachten kann man das Outsourcen u.a. auch im Bankenbereich selbst - vielfach aber erst bei genauerer Betrachtung. Regional- oder Großbanken gründen Tochterfirmen, die sich z.B. auf Kreditgeschäfte, auf Bausparthemen, auf das Immobilienwesen oder ähnliches konzentrieren. Der Kunde merkt dies jedoch meist gar nicht, da er zu seinem Ansprechpartner bei der Bank geht, der die gewünschten Themen ausarbeiten lässt und dann dem Kunden vorlegt. Die Netzwerk-Verflechtungen hier sind sehr hoch und werden bereits seit Jahren bzw. Jahrzehnten betrieben, um für die Banken das Risiko bzw. die Kosten zu minimieren.
Der Weg einer Kundenanfrage geht so z.B. über den Schreibtisch des direkten Bearbeiters, verlässt das eigentliche Unternehmen und gelangt in das wirtschaftlich selbständig agierende Tochterunternehmen, welches sich auf den gewünschten Fachbereich bezieht. Dort wird der Vorgang vollständig bearbeitet und dem Sachbearbeiter zurück geleitet. Von dort aus erhält der Kunde dann sein Angebot von z.B. der Hausbank oder dem entsprechenden externen Finanzdienstleister.